
Ein wunderbares Buch - Naomi Kleins No Logo ist immer noch ein idealer Erst-Einstieg in die notwendige Kritik an Konzernen. Wer zudem seriös recheriertes über die Untaten vieler bekannter Marken erfahren möchte, lese das Schwarzbuch Markenfirmen von Klaus Werner und Hans Weiss, ebenfalls ein Bestseller.Wer überdies auch gerne selbst etwas verändern möchte, sei unbedingt auf das preiswerte Büchlein Konzern, Kritik, Kampagne! von Thomas Löding u.a. hingewiesen.
Rundumschlag gegen Konzerne und Globalisierung - Die Ansammlung von Billionen an Kapital, der Verkauf von Image statt Produkten, sklavenartige Produktionsbedingungen in der Dritten Welt, Marketing, PR und Lobbys, die in alle Bereiche der Gesellschaft vordringen - und traumhafte Steuervorteile. Die steigende Macht der Konzerne geht einher mit der Entmachtung der Bürger, beim freien Kapital- und Güterverkehr werden weltweit alle Nationen gegeneinander ausgespielt. Die systematische Privatisierung von öffentlichem Eigentum und hoheitlichen Prozessen ist eine Entwicklung, so kritisiert die Aktivistin Naomi Klein, die das vielfältige gesellschaftliche und politische Leben reduziert und allein auf den Profit ausrichtet. Traf sich früher alles auf dem öffentlichen Dorfplatz und diskutierte, so geht man heute in das private Einkaufszentrum und konsumiert. Einige Beispiele wie die Recherche in Arbeitsenklaven auf den Philippinen oder der Coca-Cola-Tag an US-Schulen, bei dem unangepasste Schüler mit Pepsi-T-Shirt verwiesen wurden, zeigen die absurdesten Auswüchse dieser Entwicklung. Für Einsteiger in die Globalisierungskritik ist es ein schönes Buch mit vielen Beispielen, allerdings sind die Themen weitgehend bekannt und das Ganze sehr breit ausgeführt. Die halbe Seitenzahl hätte es auch getan. Der Fortgeschrittene wird es kaum bis in den hinteren Teil schaffen, und der Einsteiger noch nicht so weit sein, wenn die erfahrene Aktivistin die Aktionen und Proteststrategien vorstellt, die in der Vergangenheit am erfolgreichsten waren. Plötzlich ist von der Befreiung der Straßen, von Produktboykott und internationalen Antiglobalisierungsforen die Rede. Obwohl wir ja offiziell in einer Demokratie leben, sind große, konzertierte Aktionen à la Greenpeace notwendig, wenn die Bürger ihre Wünsche gegen die Macht der Konzerne durchsetzen wollen. Ich denke, eine Aufteilung in zwei Bücher für zwei verschiedene Zielgruppen wäre besser gewesen.Kritikpunkt 2: Das Datenmaterial ist von 1995-1999. Die Entwicklung, u.a. die Kapitalakkumulation, der Arbeitsplatzabbau sowie die Steuerbefreiung von Konzernen, hat sich inzwischen noch deutlich verschärft.
Leben und Leben lassen - Klein fasst in den 4 Kapiteln No Space, No Choice, No Jobs, No Logo zusammen wie sehr unser Leben von grossen Konzernen beeinflusst wird. Sie schildert anschaulich die zwingende Logik nach der unsere Jobs verloren gehen und sich auf dem Weg in die dritte Welt in Aufträge für sweat shops verwandeln. Die Produkte, beispielweise Turnschuhe, werden dann reimportiert und unter enormen Marketingaufwand zu überteuerten Preisen verkauft.Es ist möglich sich dem Markenwahn zu entziehen. Noch gibt es italienische Leder-Schuhe zu kaufen. Man kann jetzt auch wieder europäische Kleidung tragen: im Natur-Segment gibt es eine reichhaltige Auswahl. Schuhe aus vegetabil gegerbtem Leder sind nicht unbedingt teurer als Markenschuhe, die in Indien mit Chrom gegerbt wurden.
Hinter den schillernden Fassaden der Marken und Logos - Ein packendes sowie erschütterndes Zeugnis aus der Welt der Marken- und Nobelkonzerne und den Opfern dieser ausbeuterischen und unmoralischen Fertigungsmaschinerie. Für Menschen die den Image-Phrasen misstrauen und gerne tiefer hinter die Kulissen schauen wollen ist dieses Buch absolut empfehlenswert!
Langweilig und schlecht - Kann kann gar nicht glauben, dass dieses Buch so gut abschneidet. Es ist langweilig, zeugt von wenig Sachverstand und wiederholt immer wieder die gleichen Argumentationen. Klar gibt es bei Nike etwa gleichviele Heilige wie im Vatikan, aber welche Alternativen werden geboten? Warum WOLLEN denn in vielen Ländern Menschen für diese Unternehmen arbeiten? Weil sie es als CHANCE und nicht als AUSBEUTUNG wahrnehmen. Die Alternative dazu ist halt nicht immer eine 35h/Woche und ein Flächentarifvertrag. Man sollte sich mal fragen, wo heute Taiwan stünde, wenn man vor vielen Jahren dort nicht auch mal unter widrigen Bedingungen Jeans genäht hätte.